Domain mitnehmen — wie ein sauberer Anbieterwechsel funktioniert

Der Domain-Transfer ist einer der kritischsten Schritte beim Anbieterwechsel. Hier die Anleitung, wie er ohne Risiko klappt.

Praxis Redaktion Webseite fair 7 Min. Lesezeit
Landkarte — Symbol für Umzug und Transfer
Foto: Joshua Sortino / Unsplash

Ihre Domain ist der digitale Name Ihres Unternehmens. Wenn Sie den Webdesign-Dienstleister wechseln, muss die Domain mit — und zwar ohne dass die Website zwischenzeitlich offline geht. Das ist technisch kein Drama, aber es braucht Struktur. Hier kommt die Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie Sie Ihre Domain sauber transferieren.

Was zur Domain technisch dazugehört

Wenn wir von „Domain-Transfer" sprechen, ist mehr gemeint als nur der Name selbst. Zur vollständigen Domain-Kontrolle gehören:

Die Registrierung: Der formale Eigentumsnachweis bei der zuständigen Registrierungsstelle (für .de-Domains: DENIC, für .com-Domains: ICANN-akkreditierte Registrare).

Die DNS-Konfiguration: Einstellungen, welche Server für die Domain zuständig sind. Hier wird zum Beispiel festgelegt, auf welchem Webserver Ihre Website läuft und welcher Mail-Server Ihre E-Mails empfängt.

Die Name-Server: Die Server, die die DNS-Einstellungen bereitstellen. Der Registrar hat meist eigene Name-Server, aber Sie können auch andere nutzen.

E-Mail-Routing: Wenn Sie E-Mail-Adressen auf Ihrer Domain haben (zum Beispiel info@ihre-firma.de), gehört das auch zur Domain-Konfiguration.

Beim Transfer müssen alle diese Elemente koordiniert werden — sonst fällt etwas aus.

Welche Informationen Sie vom alten Anbieter brauchen

Vor dem Transfer sammeln Sie diese Informationen:

1. Wer ist der aktuelle Registrar? Das sehen Sie, wenn Sie Ihre Domain bei der DENIC (für .de) abfragen oder bei einem WHOIS-Tool (für andere Domains). Der aufgelistete „Registrar" ist der aktuelle Anbieter der Domain.

2. Auf wen ist die Domain registriert? Der „Registrant" oder „Inhaber" ist die Person oder Firma, der die Domain formal gehört. Ideal: Sie selbst oder Ihre Firma. Problematisch: Ihre Agentur ist als Inhaber eingetragen.

3. Wo läuft aktuell die DNS-Konfiguration? Meist beim gleichen Anbieter wie die Registrierung — aber nicht immer. Die Name-Server sind in der Domain-Information sichtbar.

4. Welche DNS-Einträge existieren? Sie brauchen eine Liste aller DNS-Einträge: A-Records (IP-Adressen für Webserver), MX-Records (Mail-Server), CNAME-Records (Aliase), TXT-Records (verschiedene Zwecke). Der aktuelle Anbieter kann Ihnen diese Informationen bereitstellen.

5. Welche E-Mail-Adressen gehören zur Domain? Wenn E-Mails auf Ihrer Domain laufen, brauchen Sie eine Liste der Adressen und die Inhalte (Archive), sofern Sie sie mitnehmen wollen.

Das sind alle Informationen, die Sie brauchen. Der alte Anbieter ist verpflichtet, sie Ihnen herauszugeben.

Wie der Auth-Code funktioniert

Der AuthCode (auch „Authorization Code" oder „EPP-Code") ist das Passwort für Ihre Domain. Er wird benötigt, um die Domain zu einem anderen Registrar zu transferieren.

Wie Sie ihn bekommen:

  1. Kontaktieren Sie den aktuellen Registrar oder Anbieter
  2. Fordern Sie schriftlich den AuthCode an
  3. Die Herausgabe muss nach DENIC-Richtlinien innerhalb weniger Werktage erfolgen
  4. Sie erhalten den Code per E-Mail oder im Kunden-Portal

Wichtig: Nach Erhalt ist der AuthCode 14 Tage gültig. In dieser Zeit müssen Sie den Transfer beim neuen Anbieter initiieren, sonst verfällt er.

Bei Problemen: Wenn der aktuelle Anbieter den AuthCode nicht herausrücken will (was selten vorkommt, aber möglich ist), können Sie sich an die DENIC wenden. Sie ist verpflichtet, den Transfer auch ohne Mitwirkung des aktuellen Registrars durchzuführen — gegen eine kleine Gebühr.

Wie Sie einen sauberen Wechsel ohne Downtime planen

Der kritische Punkt beim Domain-Transfer: Die Website darf nicht offline gehen. Das funktioniert mit einer sauberen Reihenfolge:

Tag -14: Vorbereitung

  1. Neue Hosting-Umgebung beim neuen Anbieter einrichten
  2. Website auf das neue Hosting kopieren (als Test-Installation)
  3. Funktionalität auf einer Test-URL prüfen (z.B. `test.ihre-firma.de`)
  4. SSL-Zertifikat beim neuen Anbieter vorbereiten
  5. Mail-Routing klären (falls nötig)

Tag -7: DNS-TTL reduzieren

Die TTL (Time-To-Live) bestimmt, wie lange DNS-Informationen im Internet zwischengespeichert werden. Bei der Vorbereitung setzen Sie die TTL auf einen niedrigen Wert (z.B. 300 Sekunden = 5 Minuten). Das bewirkt, dass DNS-Änderungen schneller wirksam werden.

Tag 0: Umstellung

  1. DNS-Einträge anpassen: Die Domain zeigt jetzt auf den neuen Server
  2. Innerhalb weniger Minuten (dank niedriger TTL) sind alle Besucher auf der neuen Installation
  3. SSL-Zertifikat auf dem neuen Server aktivieren
  4. Website-Funktionalität prüfen
  5. E-Mail-Routing anpassen (falls nötig)

Tag +1: Stabilisierung

  1. Prüfen, ob alles sauber läuft
  2. DNS-TTL wieder auf Standardwert erhöhen (z.B. 3600 Sekunden = 1 Stunde)
  3. Alte Hosting-Umgebung noch nicht kündigen (Sicherheitspuffer)

Tag +7: Registrar-Transfer

Jetzt wird die Domain auch formal vom alten zum neuen Registrar übertragen:

  1. AuthCode beim alten Anbieter anfordern
  2. Transfer beim neuen Anbieter mit AuthCode einleiten
  3. Der alte Anbieter bekommt eine Bestätigungs-Anfrage
  4. Nach Bestätigung ist die Domain formal beim neuen Registrar
  5. Dauer: meist 5-10 Werktage bei .de-Domains

Tag +14: Altes Hosting kündigen

Nachdem alles stabil läuft und die Registrar-Umstellung abgeschlossen ist, können Sie das alte Hosting kündigen. Nicht früher — sonst riskieren Sie ungewollte Ausfälle.

Diese Reihenfolge sorgt dafür, dass die Website während der Umstellung durchgehend erreichbar ist. Das ist wichtig für SEO (keine Abstrafung durch Google wegen Offline-Zeiten) und für Ihr Geschäft (keine verlorenen Besucher).

Was Sie nach dem Wechsel prüfen sollten

Nach dem Transfer testen Sie systematisch:

Erreichbarkeit:

  • Öffnen Sie Ihre Website in verschiedenen Browsern
  • Testen Sie sowohl http:// als auch https://
  • Prüfen Sie die www- und non-www-Version
  • Testen Sie von Mobilgeräten

E-Mail:

  • Senden Sie eine Test-E-Mail an Ihre Firmen-Adresse
  • Senden Sie eine Test-E-Mail von Ihrer Firmen-Adresse nach außen
  • Prüfen Sie, ob Ihre bestehenden E-Mail-Clients noch funktionieren

SSL:

  • Das Schloss-Symbol im Browser sollte grün oder neutral sein, nicht rot
  • Prüfen Sie mit einem Tool wie SSL Labs, ob das Zertifikat korrekt installiert ist

DNS:

  • Prüfen Sie mit einem DNS-Checker (z.B. mxtoolbox.com), ob alle Einträge korrekt sind
  • Achten Sie besonders auf MX-Records für E-Mails

Google Search Console:

  • Teilen Sie Google die Änderung mit (Änderung der URL-Adresse)
  • Überwachen Sie die Indizierung in den folgenden Wochen

Wenn einer dieser Punkte nicht stimmt, korrigieren Sie zeitnah. Bei akuten Problemen ist der alte Hosting-Anbieter (der noch läuft) Ihr Sicherheitsnetz — Sie können die Website vorübergehend wieder auf den alten Server umleiten, bis das Problem gelöst ist.

Was bei E-Mail-Adressen zu beachten ist

E-Mail ist oft der kompliziertere Teil beim Domain-Transfer. Typische Fallstricke:

Fallstrick 1: E-Mails werden nicht mehr zugestellt

Wenn die MX-Records nach dem Transfer nicht korrekt gesetzt sind, bekommen Sie keine E-Mails mehr. Lösung: MX-Records vor dem Transfer dokumentieren und beim neuen Anbieter sofort wieder einrichten.

Fallstrick 2: Alte E-Mails bleiben beim alten Anbieter

Wenn der alte Anbieter gleichzeitig Mail-Hosting gemacht hat, sind alte E-Mails auf dessen Server. Lösung: Vor dem Transfer alle wichtigen E-Mails lokal sichern oder über IMAP auf den neuen Mail-Server übertragen.

Fallstrick 3: SPF, DKIM, DMARC

Das sind technische DNS-Einträge, die gegen Spam und Spoofing schützen. Beim Transfer müssen sie korrekt übernommen werden, sonst landen Ihre Mails bei Empfängern im Spam-Ordner. Der neue Anbieter kann Ihnen dabei helfen.

Empfehlung: Lassen Sie E-Mail-Themen nicht auf dem Rücksitz. Sie sind oft komplizierter als die Website selbst. Klären Sie sie vor dem Transfer im Detail mit dem neuen Anbieter.

Unser Vorgehen bei Anbieterwechseln

Wenn Sie von einem anderen Anbieter zu uns wechseln, übernehmen wir die komplette Transfer-Koordination:

  1. Analyse: Wir prüfen Ihre aktuelle Hosting-Situation und dokumentieren alle DNS-Einträge
  2. Vorbereitung: Wir richten die neue Umgebung ein und testen die Website auf einer Staging-URL
  3. Transfer: Wir koordinieren den DNS-Wechsel und die Registrar-Übertragung
  4. Monitoring: Wir überwachen die ersten 48 Stunden und reagieren auf eventuelle Probleme
  5. Abschluss: Nach zwei Wochen stabilem Betrieb ist der Transfer abgeschlossen

Das ist in der Regel kein separates Festpreis-Projekt, sondern Teil unserer Standard-Arbeit bei Neukunden, die von einem anderen Anbieter kommen. Sprechen Sie uns an, wenn Sie einen Transfer planen — wir sagen Ihnen vorab, was zu beachten ist und wie die konkrete Umsetzung aussieht.

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